Turmmuseum

Vortrag zum Thema "Sagen und Legenden aus dem Wassenberger Land"

Am Sonntag bot das Turmmuseum einen interessanten sogenannten Winter-Vortrag zum Thema: Sagen und Legenden aus dem Wassenberger Land.

Die Rheinische Post berichtete am Donnerstag, dem 21.1.2026, darüber.

Diesen sehr ausführlichen Bericht zitiere ich im Folgenden, da ich selbst an dem Nachmittag nicht teilnehmen konnte.

Das Turmmuseum Orsbeck ließ seine Gäste tief in die Geschichte eintauchen.Foto: Kira Lückge

Spukt es in Orsbeck?

Auf eine geheimnisvolle Reise begab sich Christoph Steffens. Der Leiter des Projektes Turmmuseum Orsbeck beschäftigt sich seit einiger Zeit mit Sagen aus dem Wassenberger Land, um vier davon ging es beim ersten Wintervortrag.

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Orsbeck

In der Welt der Sagen, das erklärte Christoph Steffens, bewege man sich immer in einer Grauzone zwischen Fakten und Fabel – und doch sind sie besonders im ländlichen Raum sehr beliebt. Fast kein Dorf kommt ohne sie aus, sie gruseln, sie amüsieren, sie ermahnen und sie brachten vor einiger Zeit Fantasie in einen häufig tristen Alltag. Dabei, so Steffens weiter, seien Sagen nicht nur einer historischen Epoche zuzuordnen. Sie wurden meistens mündlich tradiert, deswegen sei es in der Recherche „selten möglich gewesen eine komplette Geschichte zu finden“, erklärte der Heimatforscher.

Zur Rekonstruktion der Sagen hat der Gründer der Museumsgruppe Orsbeck-Luchtenberg ein modernes Hilfsmittel genutzt, um den Besucherinnen und Besuchern des ersten Vortrags der Vortragsreihe spannende Geschichten zu liefern: Mithilfe von Künstlicher Intelligenz konnte Christoph Steffens auf der Grundlage überlieferter Fragmente komplette Sagen rekonstruieren. Entstanden sind dabei nicht etwa ein oder zwei Geschichten, in einem kleinen Buch hat Steffens über 20 Sagen niedergeschrieben. „Aber es gibt noch viel mehr“, erklärte der Heimatforscher, der zur Recherchezwecken häufig die Landesbibliothek besuchte.

Jetzt waren es vier Sagen, die die Besucherinnen und Besucher im Orsbecker Pfarrheim mit in schaurige Welten nahmen. Christoph Steffens gab zu Beginn jeder Sage jeweils eine kurze Einführung in Entstehungsgeschichte und Begrifflichkeiten: Der „Werwolf von Myhl“ soll zwischen 1500 und 1800 in der Ecke des Myhler Bruchs und der Blomedahler Straße Passanten aufgelauert haben. Er soll allerdings kein üblicher Werwolf gewesen sein, als sogenannter „Aufspringer“ soll er Passanten abgewartet haben, um ihnen anschließend auf den Rücken zu springen und sich von ihnen ein Stück weit durch die Landschaft tragen zu lassen. Der „Aufspringer“ oder „Aufhocker“ ist besonders im Westen der Bundesrepublik auch als „Stüpp“ bekannt. In Myhler Bruch soll ein Bauer namens Johann auf den Stüpp gestoßen sein, ein heiliger Name, so heißt es in der Sage, rettete den Bauern, der anschließend „bleich, aber unversehrt am Wegesrand“ gefunden wurde.

In Wassenberg soll der „Drüje“ sein Unwesen getrieben haben – dabei startet die Sage mit einer Liebesgeschichte: Drost Adam von Moorshoven hatte sich in der Mitte des 14. Jahrhunderts in die Tochter eines Gastwirtes verliebt. Der Gastwirt stellte sich gegen die Liebe und ließ seine Tochter von einem Wachhund beschützen, daraufhin tötet der Drost sowohl den Hund als auch den Wirt und wird anschließend verflucht – er wird zum „Drüjen“, einer ausgetrockneten Gestalt, die in der Nähe des Judenbruchs fortan, so sagt man, ihr Unwesen trieb. In Effeld soll es laut einer Sage aus dem 19. Jahrhundert hingegen etwas weniger schaurig zugegangen sein: An der Landwehr waren es keine gruseligen Gestalten, sondern Heinzelmännchen, die armen Menschen geholfen haben sollen. Man erzählt sich, dass sie einst einem verarmten Flickschuster zur Hilfe kamen und über Nacht so lange für ihn arbeiten, bis er der Armut entfloh.

Die Sage des Orsbecker Hartenbauers hingegen erzählt von einem tragischen Schicksal: Man erzählt sich, dass im Mittelalter im Burggraben der Orsbecker Motte ein gieriger Bauer mit Karren und Ochsen im „alten Wasser“ versank. Seine Seele, so sagt man, soll bis heute keine Ruhe gefunden haben und seine Geschichte soll warnen: „Niemals vom Wege abkommen, denn das alte Wasser flüstert“, erklärte Vorleser Nils.

Der Nachmittag im Pfarrheim zeigte, welche Faszinationskraft in Volkssagen steckt, durch Christoph Steffens‘ Arbeit leben und entwickeln sie sich weiter. Weitere Sagen, die durch den Hobby-Historiker rekonstruiert wurden, sind in einem kleinen Sammelband zu finden, den der Heimatforscher in Eigenregie veröffentlicht hat.

Bericht: Kira Lücke

RP vom 21.1.2026